Antifaschistischer Stadtspaziergang in Dachau

Wir dokumentieren:

Am Dienstag, den 23.07.2013, veranstaltete eine Gruppe engagierter Menschen einen abendlichen antifaschistischen Stadtspaziergang in Dachau. Mit dem Motto „Wir überlassen den Nazis nicht den öffentlichen Raum“ und „Kein Platz für Nazis“ trugen sie ihre Nachricht von der Münchner Straße über den Bahnhof bis in die Altstadt und machten mittels eines Handzettels über ihr Anliegen aufmerksam.

Das Flugblatt sei im folgenden dokumentiert:
Mit diesem Flugblatt stellen wir klar: Wir akzeptieren die Aktivitäten von Neonazis in Dachau nicht und möchten der rassistischen und den Nationalsozialismus verherrlichenden Propaganda entschieden entgegen treten. Auch wenn Dachau keine Hochburg neonazistischer Präsenz ist, so tauchen immer wieder, und in letzter Zeit gehäuft, Aufkleber des neonazistischen Kameradschaftsdachverbands „Freies Netz Süd“, der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), der mittlerweile aufgelösten Kameradschaften „Freie Nationalisten München“ und „Nationale Solidarität Bayern“ (NSB) auf. Dies zeigt, dass sich zumindest Sympathisant_innen der Neonazis dazu genötigt fühlen ihre rechte Propaganda in Dachau zu verbreiten.

Ebenso kommt es immer wieder zu Vorfällen, bei denen alternativ oder links aussehende Jugendliche von offensichtlich rechts denkenden Menschen beleidigt, bedroht und körperlich angegriffen werden.1

Dass es Kontakt von Neonazis in Dachau zu gewaltbereiten Kameradschaften in München gibt ist hinlänglich bekannt. Ein Dachauer, dessen Wohnung Ende Mai durchsucht wurde, war zusammen mit einem verurteilten Neonazi verhaftet worden, weil er rechte Parolen vor einem mehrfach angegriffenen linken Wohnprojekt in München geschmiert hatte.2 Ebenso im Dachauer Hinterland: ein „sich der rechten Szene zugehörig“ fühlender Vierkirchener wurde im Februar verurteilt, weil er bei Facebook ein Foto mit einer Hakenkreuzfahne veröffentlicht hat.3 Vor Gericht bekannte er sich offen dazu, „Kontakte zu einer rechten Kameradschaft“ zu pflegen.4

Nicht zuletzt befindet sich ganz in der Nähe in Obermenzing eine WG von Führungspersonen des „Freien Netz Süd“, die bekanntermaßen auch als lokaler Treffpunkt für Neonazis aus ganz Bayern und den angrenzenden Bundesländern gilt. Am letzten Samstag, den 20.07., waren dort bei einer Gartenparty u.a. der als Rechtsterrorist verurteilte Martin Wiese – ein bundesweit wichtiger Führungskader neonazistischer Organisationen – anwesend.5

Wir dulden weder rechte Propaganda,
noch werden wir Neonazis den öffentlichen Raum überlassen!
Nazis keinen Millimeter! Weder in Dachau noch sonst wo!

1 Ausführliche Darstellungen der Ereignisse finden sich in einschlägigen Chroniken, wie z.B. http://autistici.org/aaud/category/chroniken
2 http://www.sueddeutsche.de/muenchen/neue-attacke-gegen-linke-verdaechtig…
3; 4 http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/amtsgericht-dachau-brauner-se…
5 http://www.sueddeutsche.de/muenchen/protest-gegen-rechtsextreme-bunt-geg…

Aus der Chronik von AIDA e.V.:

Dachau. In der Nacht von 5. auf 6. Juli wird der „Freiraum Dachau“ großflächig mit neonazistischen Aufklebern beklebt. Sowohl am Gebäude selbst (u. a. an Fenstern, Türen, Regenrinne, Briefkasten, Vordach, Treppengeländer und Aschenbecher) als auch an den Zufahrtswegen werden Aufkleber angebracht:

unter anderem von der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN), dem neonazistischen Kameradschaftsdachverband „Freies Netz Süd“ (FNS, Aufschrift: „good night, left side“), der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), der mittlerweile aufgelösten „Freien Nationalisten München“ und der 2011 aufgelösten Neonazi-Kameradschaft „Nationale Solidarität Bayern“ (NSB, Aufschrift: „Werde aktiv in deiner Stadt“).

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