Freunde des Freiraums

Erneut wurde die Außenfassade unseres Jugend- und Kulturzentrums mit menschenverachtenden und dem neonazistischen Spektrum zuzuordnenden Parolen beschmiert. Die Schmierereien wurden vermutlich in der Nacht vom Dienstag, den 11.02., auf den Mittwoch angebracht. Es wurden mehrere Hakenkreuze, „NS“- und „SS“-Schriftzüge, „Judenschweine“, „NSU“, „Wir kriegen euch alle“, „Anti-Antifa“ und ein Davidstern gesprüht.

Nicht zum ersten Mal ist der Freiraum mit rassistischen und menschenfeindlichen Parolen beschmiert worden. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Folge von Ereignissen, in denen der Freiraum mit solch abstoßender Propaganda beschmiert beziehungsweise beklebt wurde. Zuletzt erhielten wir am 23. Dezember 2013 einen Umschlag mit der Aufschrift „Letzte Warnung“, in dem sich vermutlich ein Tierorgan befand. Am 04. November 2013 wurden, bereits zum zweiten Mal, die Mülltonnen des Freiraums in Brand gesetzt. Rassistische und neonazistische Aufkleber finden sich über das ganze Jahr verteilt immer wieder am und auf dem Weg zum Freiraum. Von Zufall kann keine Rede sein. Hier sind Menschen am Werk die sich an der Präsenz des Freiraums, seinen Ideen und den ihn tragenden Menschen stören. Eine Sammlung der Ereignisse findet sich in der jährlich veröffentlichen „Chronologie rechter Vorfälle“1 lokaler antifaschistischer Strukturen, in denen auch die Vorfälle am Freiraum aufgenommen worden sind. Zudem finden sie sich in der Chronologie des A.I.D.A.-Archivs2 aus München wieder.

Wir bezwecken mit diesem Brief auf die genannten Vorfälle aufmerksam zu machen. Von der Polizei erhoffen wir uns keine nennenswerten Erkenntnisse – diese glänzt eher mit Gleichgültigkeit und Desinteresse.

Uns ist klar, dass es möglicherweise einen Zusammenhang mit der antifaschistischen Demonstration am 01. März gegen das Nazi-Zentrum in Obermenzing3 gibt. Dieses Zentrum ist für die Neonazi-Szene in Bayern ein überregional wichtiger Treffpunkt geworden, zu denen immer wieder auch Neonazis aus anderen Bundesländern anreisen. Nicht zuletzt waren hier schon Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger, zwei verurteilte Rechtsterroristen, zu Besuch. Das Haus wird von Kadern des „Freien Netz Süd“ genutzt und bewohnt. Der Ex-„Landser“-Sänger Lunikoff gab dort vor kurzem ein Privatkonzert, was auch den szeneinternen Stellenwert des Hauses und der dort wohnenden Neonazis zeigt.

Von den Drohungen lassen wir uns nicht einschüchtern und wollen im selben Atemzug betonen, wie wichtig wir eine kontinuierliche antifaschistische Praxis halten. Lassen wir den Nazis keinen Raum, weder in Dachau noch sonst irgendwo auf dieser Welt. Wir zählen auf eure Solidarität, denn über die Vorfälle zu schweigen ist für uns keine Option. Weder hier noch sonst wo ist Platz für neonazistische Propaganda.

(1) http://www.autistici.org/aaud/category/chroniken
(2) http://aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=231&Itemid=1171
(3) http://antifa-nt.de/?p=1776

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.