Gezeigt wird die Dokumentation G8 Genua 2001
kanal b | 2001 | 30 min. | Sprache: deutsch
Vom 18. bis 22.07.2001 fand der G8 Gipfel in der italienischen Hafenstadt Genua statt. Der 23 jährige Carlo Giuliani wurde während einer militanten Auseinandersetzung aus einem angegriffen Polizeifahrzeug heraus erschossen und anschließend von dem Fahrzeug überfahren. Der Gipfel stellte für Viele ein Zäsur dar.
Nach dem Fall des sowjetischen Machtbereichs folgte der Ausverkauf des ehemaligen „Ostblocks“, mit der so bezeichneten Globalisierung sollte die Ausbreitung des Kapitalismus im weltweiten Maßstab einhergehen. Einige Jahre später trat der Widerspruch auf diese Entwicklungen auf die Bühne der Geschichte. Mit dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens NAFTA erhoben sich 1994 in Südostmexiko die Zapatistas mit einem Aufstand gegen die Ausplünderung ihrer Lebensgrundlagen. Sie forderten alle Menschen auf Widerstand zu leisten und eine andere Welt möglich zu machen. Zu den ersten Gipfeln, auf denen der neoliberale Siegeszug formalisiert und eingeleitet werden sollte, gab es internationalen Protest von Gewerkschaften, Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen, Feministinnen, Migrant*innen und anarchistischen Gruppen.
Der Gipfel der Welthandelsorganisation WTO 1999 in Seattle konnte wegen militanten Protesten nicht wie geplant stattfinden. Auch darauf folgende Gipfel von Weltbank und IWF im Jahr 2000 in Prag und beim EU Gipfel 2001 in Göteborg mündeten in Riots. An den Protesten beteiligten zehntausende Menschen. Die Bewegung und ihre Aktionsformen waren vielschichtig, aber in ihrer Ablehnung der kapitalistischen Globalisierung einig. Antikapitalismus war nicht länger eine schriftliche Theorie, sondern gelebte Praxis. Von Jungen und Alten, aus dem Norden, dem Süden, dem Westen, dem Osten.
Heute – 25 Jahre danach – sind die befürchteten Folgen der Globalisierung längst bittere Realität. Eine Realität, an die sich Viele gewohnt zu haben scheinen. Menschen werden ausbeutet, Arbeitsschutz und -rechte wurden geschliffen, Sozialleistungen gekürzt oder gestrichen, Gewerkschaften entmachtet oder final korrumpiert. Kriege lassen Menschen sterben oder im Elend leben, sie werden zur Flucht getrieben und durch Grenzregime entrechtet oder im Meer ertrinken gelassen. Der Klimawandel zeugt von einer durch Industrie unumkehrbar zerstörten Umwelt. Sozialabbau macht vor keinen Errungenschaften Halt und wird bis heute als alternativlos dargestellt.

Der neoliberale Zeitgeist durchdrang alle staatlichen Akteure von konservativ bis sozialdemokratisch. Schon damals war absehbar, dass Widerstand mit Gewalt unterdrückt würde. Die Absicherung der herrschenden Besitzverhältnisse wurde mit wortwörtlicher Staatsgewalt durchgeprügelt. Zu den internationalen Gipfeln wurden bürgerlich-demokratische Rechte außer Kraft gesetzt, die Tagungsorte in den jeweiligen Großstädten zu Festungen ausgebaut. Genua sollte zum Fanal dieser Entwicklung werden.
Selbstverständlich waren militante Auseinandersetzungen Teil der Proteste. Sie standen jedoch in keinem Verhältnis zu dem wahllosen Vorgehen der italienischen Polizei. 300.000 Menschen protestierten gegen den G8 in Genua. 600 Protestierende wurden inhaftiert, über 200 anwaltlicher Beistand untersagt, 500 verletzt. Sie wurden in Polizeigewahrsam stundenlang verprügelt, zum Teil nachweislich gefoltert – in Polizeikasernen mit Mussolini Bildern an der Wand. Es gab etliche Schwerverletzte und einen Toten: Carlo. Ermordet von der Polizei am 20.07.2001 auf der Piazza Alimonda in Genua.
Labournet [Materialsammlung] 20 Jahre G8-Proteste in Genua
crimethinc A Letter to Carlo Giuliani : On the 25-Year Anniversary of the Battle of Genoa

